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Themen: Kooperation • Empathie • Altruismus vs. Egoismus
Die langen Stäbchen im Reich der Mitte
Es war einmal ein Suchender, der die Geheimnisse des Himmels und der Hölle verstehen wollte. Ein weiser Gelehrter führte ihn zuerst in einen großen Saal. In der Mitte stand ein riesiger Tisch, reich gedeckt mit den köstlichsten Speisen, die man sich vorstellen konnte. Um den Tisch herum saßen Menschen, doch sie waren mager, blass und weinten vor Hunger.
Der Suchende sah genauer hin und bemerkte den Grund: Jeder Mensch hatte zwei Meter lange Essstäbchen an seinen Händen festgebunden. Sie konnten das wunderbare Essen zwar erreichen, aber weil die Stäbchen so unendlich lang waren, war es unmöglich, das Essen zum eigenen Mund zu führen. Jeder kämpfte verbissen für sich selbst und hungerte. Der Gelehrte sprach: „Das ist die Hölle - wo jeder nur an sich selbst denkt.“
Danach führte der Gelehrte den Suchenden in einen zweiten Saal, der exakt genauso aussah: Derselbe Tisch, dieselben köstlichen Speisen und dieselben zwei Meter langen Stäbchen an den Händen der Menschen. Doch hier waren die Menschen wohlgenährt, lachten, sangen und waren voller Lebensfreude.
Der Suchende war sprachlos und fragte: „Wie ist das möglich?“ Der Gelehrte lächelte und sagte: „Siehst du es nicht? Hier haben die Menschen aufgehört, sich selbst füttern zu wollen. Sie nutzen die langen Stäbchen, um das Essen über den Tisch zu reichen und sich gegenseitig zu füttern. Indem sie für den anderen sorgen, sind alle satt.“